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THEATER RAINER BAUER

Humor hoch drei

DA-Echo, 23.02.09
Humor hoch drei

Mollerkoller: Poetry-Slam, Kabarett und Nonsens-Lieder bringen freche Töne in den Fastnachtssamstag DARMSTADT. Einen Poetry-Slam-Künstler, einen Musik-Kabarettisten und einen Ukulele spielenden Anarcho-Dänen an einem Abend auf die Bühne zu bringen – dazu gehört Mut. Und ein Publikum, das sich auf Experimente bereitwillig einlässt.

Bei Rainer Bauers „Mollerkoller spezial“ am Fastnachtssamstag im fast ausverkauften Theater Mollerhaus glückte die Synthese auch ohne einigendes Band, weil jeder der Akteure für sich allein schon bemerkenswerte Qualität bot. Der junge Tilman Döring, eines der aufstrebenden Talente in der deutschen Poetry-Slam-Szene, überzeugte mit seinen frechen, rasch hingeworfenen Reimen, denen es an überraschenden Wendungen und mancher kalauerartigen Pointe nicht fehlte. Sein Liebesgedicht ohne Namen passt auch auf andere Damen, doch „es wird kein Wir aus meinem Ich und Deinem Du, denn ich hab’ Base und du O2“. Der in Darmstadt lebende Döring erzählt in „Rentnerliebe“ vom Pech, dass die meisten Frauen auf reifere Männer stehen, oder widmet sich in „Hasta la vista, Insalata mista“ gekonnt dem Aufbegehren von Salat und Radieschen beim Vegetarierkongress. Am Samstagabend war er gleich doppelt gefragt, hatte er doch im benachbarten Staatstheater noch einen Auftritt als Rapper im Osterspaziergang von Goethes „Faust I“.

Mit seiner Herkunft aus Scharbach im Odenwald spielte charmant Daniel Helfrich, der sein Programm „Alle mal die Hand heben“ als „Pianormales Kabarett“ bezeichnet. Wie er so dasitzt am Klavier in seinem braunen Cord-Sakko, dem weißen Hemd und der Jeans, erinnert das ein wenig an Lars Reichow. Auch Helfrich sinniert, spöttelt und persifliert politisch völlig unkorrekt über den Pontifex in Rom und die deutsche Kanzlerin. Von seinen Zuhörern fordert er Bekenntnisse, wer schon einmal bei der Steuer betrogen oder gekifft hat. Helfrich verleugnet seinen breiten südhessischen Akzent nicht, sondern bekennt freimütig, „einfach nix“ zu sein und entführt in seiner „Ode an den Odenwald“ in seine Heimat, wo Kochkäse gekreuzt wird und die Eltern Geschwister sind. Statt der leisen Töne bevorzugt er meist das Forte.

Nur die urkomische Geschichte zweier verliebter Kerzen, deren eine am Burn-Out-Syndrom stirbt, gerät ihm fast besinnlich. Zum schräg-blutigen Medley wird indes die „Rhapsodie in Hund“ des bekennenden Hunde-Hassers. „Wer den Mensch hinter der Leine kennt, findet den Hund intelligent“, proklamiert Helfrich und bietet eine wüste Melange mit „Wunden gibt es immer wieder“ nach Katja Ebstein und „In der Hundemetzgerei“ zur Melodie von Rolf Zuckowskis weihnachtlichem Kinderlied.

Die Geheimnisse seiner Muttersprache verriet Anarcho-Däne Iso Herquist. „Bei einem Wort mit vier Silben lässt du drei weg, und die andere vernuschelst du.“ Seine mit der Ukulele begleiteten Nonsens-Lieder kreisen um alte Dänen, die kein Bier trinken, und seine Jugend auf Langeland, wo sich die Jugendlichen „einen oder vier oder acht Sixpacks kaufen, um auf dem Supermarkt-Parkplatz so richtig die Sau rauszulassen. Kongenial begleitet wird Herquist von seinem „Fiskecore“, dessen eine Hälfte freilich fehlte, weil sie am Vorabend zu tief ins Glas geschaut habe, wie Herquist berichtet. Mit seinen Plastikfischchen (Boske Friske Fiske) setzt der verbliebene Background-Chor reichlich ungewöhnliche Percussionsinstrumente ein.

Wenn dann Moderator und Organisator Rainer Bauer sein Alter Ego Herbert Faulhaber vom Bundesamt für ungewöhnliche Maßnahmen und Bürgerbelustigung auf die Bühne schickt, pantomimisch Diabolos spielt, einen Zuschauer sechs Plastikteller gleichzeitig kreisen lässt, mit einer Hommage an die Glühbirne aufwartet und mit Zaubertricks überrascht, formt sich alles zu einem ungemein vergnüglichen Abend – auch ohne einigendes Band.

Jörg Monzheimer
23.2.2009






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