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THEATER RAINER BAUER SOLO 2

Solo 2

Der mit dem Koffer spielt
Nummernrevue: Rainer Bauer präsentiert sein aktuelles Soloprogramm im Theater Mollerhaus

DARMSTADT. Ein selbstgefälliges Lächeln, ein routiniertes Nicken, dem Publikum dynamisch entgegengestreckte Arme auf dem Weg ins Scheinwerferlicht: Solch übertrieben ausdrucksstarke Mimik und Gestik gehören zum Standardrepertoire des Entertainers.

Auch Rainer Bauer lächelt in seinem aktuellen Soloprogramm souverän wie ein Showmaster, und auch er nickt wie selbstverständlich als Reaktion auf den Applaus des Publikums. Er zeigt all jene Posen, die sich aus Fernsehen, Varieté und anderen Showprogrammen längst in das Bewusstsein des Zuschauers gebrannt haben.

Bauer legt eine unterhaltsame Nummernrevue mit Musik, Magie und Choreografie vor – und reißt den Zuschauer doch immer wieder aus den Illusionen solcher Shows. Sein Ziel ist vor allem die Persiflage, die überspitzte Darstellung der aalglatten Show-Automatismen, der reflexhaften Bewegungsabläufe und der Handlungsmuster des Alleinunterhalters unserer Tage. Aus dem Publikum holt er sich dazu einmal eine Zuschauerin, kürt sie für einen kurzen Moment zur Assistentin und führt mit ihr herrlich belanglose Gespräche: „Was haben Sie für Hobbys?“

Immer wieder animiert er auch sein Publikum. Doch rast er nicht durch die Ränge und lässt auch keine „Applaus“-Leuchttafeln aufflammen. Bauer animiert vor allem die Vorstellungskraft und lässt nur durch seine Ausführungen vor dem geistigen Auge eine ganze Bigband und die „R.B. Late Night Show“ auf der sonst leeren Bühne entstehen.

Rainer Bauer singt auch: Lieder in bester Entertainermanier über Schokoladenflecken oder mit Titeln wie „Sieben mal sind wir dann im Paradies“. Geschmeidig bewegt er sich dann zur Musik, hält aber auf der anderen Seite eine deutlich spürbare Körperspannung. „Der Fliegenfänger der Kunst ist die Unterhaltung“ sagt er einmal und fesselt sein Publikum durch ein sehr wirkungsvolles Auf und Ab von sehr leisen, nachdenklichen Partien und lebhaften Performances.

Manchmal steht er einfach nur da, keine Musik ist zu hören, kein Ton aus seinem Mund. Dann ist es so leise, dass sogar das Knacken der Bühnentechnik zu hören ist. Im nächsten Moment folgt gleich aber wieder eine beschwingt vorgetragene Einlage, wie etwa jene Choreografienummer mit Koffer, die als Höhepunkt des Programms gelten kann.

Da bewegt er sich tänzelnd und ein gutes Rhythmikgefühl beweisend über den Bühnenraum. In schneller Aufeinanderfolge versetzt er drei auf dem Boden stehende Koffer im dynamischen Fluss der Musik immer wieder an andere Stellen, hebt sie hoch, läuft mit ihnen über die Bühne, um sie dann irgendwo anders wieder hinzustellen. Das wirkt, als spiele Bauer auf einem riesigen Instrument, als sei er selbst Bestandteil dessen. André Schober von Bemoved ist für diese gelungene Choreografie verantwortlich.

Schließlich bedankt sich Rainer Bauer mit geschwollen-aufgeblähten Formulierungen bei seinem Publikum. Allerdings ist nun nur noch seine Stimme aus dem Off zu hören, er hat die Bühne verlassen. Der leere Raum wird so zum Symbol hohler Worthülsen.

Simon Colin
27.11.2006




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