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THEATER BEWEGT |
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Die Skelettfrau
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Ein getanztes Märchen
DARMSTADT. Bei Inga Pickel erzählt auch der Körper: Füße, Hände, Arme, Beine, Hals und Kopf. Ihre Worte sind nur Teil dieser Körpersprache. Denn in der Brust der Performance-Künstlerin wohnen die Seelen der Schauspielerin, der Tänzerin und der Sprecherin. Der Multiinstrumentalist Christoph Becker ist mit Sopransaxofon, Bassklarinette und Perkussion das Orchester dazu. Gemeinsam führen sie in der Stoeferlehalle auf 231 qm das Eskimo-Märchen „Die Skelettfrau“ auf.
Inga Pickel mag nordische Märchen, in denen immer das Gute siegt – Märchen wie die „Skelettfrau“. Diese hatte gegen eine Vorschrift verstoßen und wurde deshalb von ihrem Vater ins Eismeer gestürzt. Ihr Fleisch dient den Fischen als Nahrung, aber ihr Skelett erschreckt fortan die Eingeborenen – bis ein junger Fischer kommt. Der bekommt das Gerippe an die Angel und ist zunächst entsetzt. Aber dann verlieren die Knochen den Schrecken für ihn: Fein säuberlich rückt er alle an die rechte Stelle. Als er schließlich erschöpft einschläft, rollt eine Träne über sein Gesicht. Heimlich kriecht die Skelettfrau daraufhin an die Seite des Fischers und trinkt die Träne – und aus dem Skelett wird ein hübsches Mädchen.
Inga Pickel spielt alle Rollen: Sie ist die Erzählerin, sie ist der junge Fischer, und sie ist vor allem die Skelettfrau, die ins Meer stürzt, von den Fischen zerfressen wird und in der Dämmerung die Eskimos erschreckt. Spannend und aufwühlend tritt die Schauspielerin dabei in den Dialog mit ihrem Körper und mit der Musik von Christoph Becker: Er hat die Klänge geschrieben, und er führt auch Regie. Stets im Hintergrund, ist er fester Bestandteil der Performance.
Diese geht noch weiter: Weil der Fischer die Angel nicht losgelassen hat, liegt das Skelett nun vor seinem Iglu.
In dieser Metamorphose erreicht das Stück seinen Höhepunkt. Durch den jungen Fischer, der die Gesetze des Landes nicht kennt, wird die Skelettfrau aus dem Eismeer erlöst. Und wie alle Märchen, geht das fünfzig Minuten lange Werk gut aus: Am Morgen findet man beide eng umschlungen, und sie leben fortan von den Fischen des Eismeeres.
Marc Mandel Darmstädter Echo vom 14. Mai 2004
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