Theater Rainer Bauer Bauer & Bibo improvisieren

Bauer & Bibo improvisieren

Mit Vertrauen ins Wagnis
Improvisationstheater: Ungeniert wie daheim im Wohnzimmer: Der Schauspieler Rainer Bauer und der Keyboarder Michael Bibo im Darmstädter Theater Moller-Haus

DARMSTADT. Worin sie sich üben und was ihnen durchweg trefflich gelingt, ist die Kunst, ganz im Augenblick zu sein: Rainer Bauer und Michael Bibo präsentierten am Freitagabend Improvisationstheater im amüsanten Doppel von Darstellung und Musik. Gerade mal ein Dutzend Zuschauer hat es sich auf den Polstersitzen im Theater Moller-Haus bequem gemacht, als die beiden die Bühne betreten, sich artig vorstellen und unternehmungslustig ins Scheinwerferlicht grinsen.

Bibo nimmt hinterm Keyboard Platz, dem er im Lauf des Abends bei nicht immer einwandfreier Technik mit leichter Hand eine Vielfalt musikalischer Stilrichtungen entlockt. Mittig plaudert Bauer geschmeidig ins Blaue, um sich dann beim Begrüßungslied als „Joachim, der Taucher“ warmzuulken. Erster Applaus lockert die Atmosphäre. Von Szene zu Szene wächst sich Bauer mit skurriler Mimik und variantenreicher Gestik zu gewohnter Bühnengröße aus.

Bauer und Bibo spielen, als seien sie in ihrem Wohnzimmer unbeobachtet mit sich selbst beschäftigt. Ungeniert reden sie darüber, womit zu beginnen und womit fortzufahren wäre und kommen langsam in Schwung. Die Zuschauer beobachten gespannt und lassen sich gern als Stichwortgeber einbeziehen. Bauer liebt es, die Bühne ins Publikum hinein zu erweitern und die Gäste zu Mitgestaltern seines Überraschungstheaters zu machen.

Die Vertrautheit zwischen den Künstlern ist spürbar groß, was es leichter macht, das Unwägbare zu wagen, aus dem sich komische Einfälle modellieren lassen. Zuverlässig hieven sie einander über die Klippen unerprobten Spiels, fabulieren im Einwort-Stakkato eine absurde Koboldgeschichte zusammen oder variieren ein Volkslied durch die Jahrhunderte von der Römerzeit ins Heute.

Die Zuschauer lachen herzhaft angesichts Bauers süß-saurer Mimik. Bibo untermalt dessen Spiel wie einst das Klavier den Stummfilm. Dabei hat der Musiker den Partner stets im Blick, um ihn auch hin und wieder mit seinen Tönen in unerwartete Handlungsmuster zu zwingen. Kurz blickt Bauer irritiert auf, dann folgt er dem musikalischen Faden, während Bibo zufrieden schmunzelt. Kleine Stolperfallen haben fraglos fürs Publikum besonders amüsante Wirkung.

Rainer Bauer und Michael Bibo inszenieren ein absurdes Potpourri vom politischen Song über Eva Herman und die Autobahnen („Fahren wir eigentlich heute noch auf dem Belag von 1933?“) über die Darstellung des Geschirrspülens im erotischen Western bis zum Obertongesang des kleinen Möchtegernstars. Gelegentlich ist Anspannung zu spüren, da scheinen Worte und Gesten auszugehen. „Stellen Sie sich vor, Sie wollen Hefekuchen backen und haben keine Hefe“, wirft Bauer ein und schon geht’s weiter. Was die beiden Künstler zusammenbacken, ist am Ende herzerfrischende Spielfreude.

Nach den beiden Auftritten vom vergangenen Wochenende bleibt nur die Frage, wann Bauer und Bibo noch mal improvisieren. „Das ist noch offen“, sagt Bauer. Und eigentlich passt die Antwort haargenau zum Konzept ihrer Show.

Charlotte Martin
15.10.2007




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