Kriecher gesucht Ausblick: Bissige Realsatire über Fernsehshows: Gespräch mit Max Augenfeld und Nadja Soukup vom Darmstädter Theaterlabor zu Lutz Hübners „Creeps“ – Premiere am 4. Oktober im Mollerhaus DARMSTADT. Eine „Hommage an Dieter“ sei das Stück „Creeps“, die derzeitige Produktion des Darmstädter Theaterlabors, das am 4. Oktober im Mollerhaus Premiere hat, sagt Regisseur Max Augenfeld. Im Stück heißt der Regisseur aus dem Off zwar Arno und wird gesprochen von Sascha Stegner, er ist aber genauso gemein wie Dieter Bohlen, sagt Augenfeld im Gespräch schmunzelnd. Denn inhaltlich geht es um eine Casting-Show.
Ein Fernsehsender hat ein Casting für eine neue Musiksendung mit dem Titel „Creeps“, zu deutsch Kriecher, ausgeschrieben. In der Endauswahl sind die drei siebzehnjährigen Schülerinnen Lily, Maren und Petra, von denen jede das Ziel verfolgt, in dem K.O.-System die Beste zu sein und zur Moderatorin auserkoren zu werden. Das siebzigminütige Stück simuliert in einer Studiokulisse die Live-Situation während der Endauswahl für den begehrten Moderatorenjob – wie die drei Mädchen glauben. Damit ist „Creeps“ eine bissige Realsatire auf die derzeit bei Jugendlichen so beliebten Casting-Shows im Fernsehen. Der eigentliche Zweck der Auswahl ist aber ein ganz anderer. Seit Juni laufen die Proben für „Creeps“. Zur persönlichen Bekanntschaft zwischen Augenfeld und dem Autor des Stücks, Lutz Hübner („Gretchen 89ff.“) kam es während der Hessischen Theatertage. Daraus ergab sich, dass das Theaterlabor von Hübner nochmals eine aktuelle und überarbeitete Fassung des Textes erhielt, außerdem konnte Hübner jetzt auch bei einigen Proben dabei sein. Hübner wird nachgesagt, dass er seine Stücke sehr gut recherchiere.
Das Theaterlabor versteht sich als Theater für Jugendliche und Junggebliebene, wie Schauspielerin und Mitbegründerin Nadja Soukup sagt. Im Unterschied zu anderen Jugendprojekten spielen hier aber nicht Jugendliche für Jugendliche, sondern ausgebildete Schauspieler haben sich auf Jugendtheater und damit auf aktuelle Themen, die junge Leute ansprechen, spezialisiert. So wurden auch die beiden anderen Darstellerinnen Stefanie Otten und Karin Punitzer im Rahmen eines klassischen Vorsprechens ausgewählt. Der professionelle Anspruch ist den Gründern ebenso wichtig wie die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen. Aber Theaterspielen im Rahmen eines Projekts dürfe nicht mit einer professionellen Schauspielausbildung verwechselt werden und könne diese auch keinesfalls ersetzen, stellen Schauspielerin und Regisseur klar. Beide verstehen Theaterpädagogik als „Form, zu wachsen“, nicht aber als Vorphase zum Schauspieler.
In „Creeps“, der neuen Musiksendung, hört man Arno mit seinen Regieanweisungen nur aus dem Off. Dadurch wird das Studio-Gefühl verstärkt, denn auch bei realen Fernsehaufnahmen bekommen die Schauspieler ihre Anweisungen oft nur über Kopfhörer und sehen den Regisseur gar nicht, spricht Soukup aus Erfahrung. Trotzdem sind Jugendliche vom Fernsehen und den Casting-Shows meist „unglaublich fasziniert“ und finden die Aussicht, vielleicht selbst einmal dabei zu sein, sehr reizvoll.
Eine besondere Schwierigkeit besteht in der Einbettung der Videosequenzen, mit denen „Creeps“ arbeitet. Einerseits müssen dadurch Kostüme und Bühnenbild recht früh festgelegt werden, zum anderen muss die Dramatik der Sequenzen exakt zum Gespielten passen – eine hohe Anforderung, denn für die Zuschauer soll das ja so wirken, als handele es sich um Live-Aufnahmen, die während des Spielgeschehens aufgenommen werden.
Geeignet ist das Stück, das 2001 mit dem Jugentheaterpreis ausgezeichnet wurde, für Jugendliche ab 12 Jahren. Wie immer bei den Produktionen des Theaterlabors, besteht im Anschluss der Vorstellung die Gelegenheit zum Gespräch zwischen Jugendlichen und Darstellern.
Die Abendpremiere ist am 4. Oktober (Donnerstag) um 20.30 Uhr im Darmstädter Mollerhaus. Termine für vorangemeldeten Gruppen sind am 4. sowie vom 29. bis 31. Oktober und vom 5. bis 7. November jeweils um 11 Uhr im Mollerhaus. Anmeldungen und Vorverkauf im Theater unter 06151 26540oder im Ticketshop im Luisencenter (06151 2799999) Jenny Kim Geyer 26.9.2007
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