Unter freiwilliger Selbstkontrolle Vorschau: „Keine Blasmusik!“: „Die Stromer“ bringen ihre erste Komödie für Erwachsene auf die Mollerhaus-Bühne
DARMSTADT. Birgit Nonn und Thomas Best sind von ihrem Kindertheater her nicht nur in Darmstadt bekannt. Nun bringen die beiden „Stromer“ ihr erstes Stück für Erwachsene auf die Bühne. Es heißt „Keine Blasmusik! – Ein gemütlicher Abend ohne Kompromisse“ und hat am Freitag (29.) im Theater Mollerhaus Premiere.
Im Mittelpunkt der Komödie stehen die Figuren Walter Daumann und Hildegard Lautenschläger. Es drängt die beiden „jung Verliebten in der zweiten Lebenshälfte“ zum Theater. Das ist unmöglich, nicht nur weil es an Talent fehlt. Deshalb verbringen beide die Abende vor dem Fernseher – und erzählen der Glotze ihre Verbesserungsvorschläge zu dem, was da läuft. Das Ganze entwickelt sich zum Geschäft: Walter und Hildegard verlegen ihr Wohnzimmer samt Fernsehapparat ins Theater, um dort gemeinsam mit dem Publikum den „Tatort“ anzuschauen.
Doch dann verschwindet Hildegard – hinein in die vorher kritisierten TV-Angebote. Und dort gefällt es ihr gut.
Regisseurin Esther Steinbrecher hat „Keine Blasmusik!“ geschrieben. Gut zwei Monate hat sie gebraucht. Das größte Problem dabei: „Ich hatte einen Berg an Material.“ Denn die Figuren Walter Daumann und Hildegard Lautenschläger sind nicht ganz neu. Sie wurden von Thomas Best und Birgit Nonn in den vergangenen Jahren immer wieder mal verkörpert – etwa im vergangenen Jahr, als die „Stromer“ zehnjähriges Bestehen feierten und„Walter und Hildegard“ durchs Jubiläumsprogramm führten.
„Keine Blasmusik!“ entstand aus der Vorlage für ein Fernsehstück, das nie verwirklicht wurde. „Wir haben unsere Idee weiterentwickelt und dabei viel improvisiert“, sagen Regisseurin und Schauspieler. Und was ist das Besondere an Hildegard und Walter? „Die beiden sind auf den ersten Blick ein Duo in Eiche rustikal“, meint Esther Steinbrecher. „Aber wenn man sie als Zuschauer den Abend über begleitet, merkt man, dass viel mehr in ihnen steckt.“ Birgit Nonn ergänzt: „Sie sind kurios, aber sie gehen ans Herz.“
Wichtiger Bestandteil des Stücks sind Videoeinspielungen, die in Zusammenarbeit mit Franziska Schumann entstanden sind: Nur mit Hilfe dieser bewegten Bilder kann Hildegard in der Fernsehlandschaft verschwinden: Wo immer Walter hinzappt, Hildegard ist da. „Das Timing muss stimmen, das Spiel ganz exakt sein“, erklärt Matthias Trumpfheller, der für die Technik verantwortlich ist.
Die „Stromer“ warten in ihrem neuen Stück mit viel Witz und kuriosen Wendungen auf. Trotzdem warnen sie: „Es ist wirklich kein Stück für Kinder.“ Darauf weist auch das Werbeplakat für „Keine Blasmusik!“ hin. „FSK 16“ ist darauf gedruckt: freigegeben ab 16 Jahre.
Und das ist – ausnahmsweise bei dieser Theatertruppe – ernst gemeint: „Auch mit 14 oder 15 kann man dabei Spaß haben, aber jünger sollten die Zuschauer wirklich nicht sein, sagen die ‚Stromer‘.“
Silke Schmidt 27.4.2005
Darmstädter Echo
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