Kabale + Liebe

Blick auf die Gräten
Das Theaterlabor Darmstadt mit einer "Kabale und Liebe"-Skizze
VON FRANK SCHUSTER


Mal angenommen, man bekäme einen saftigen Fisch auf einem mit allerlei schmackhaft aussehenden Beilagen drapierten Teller serviert. Und das gar nicht so beeindruckte Gegenüber sagte: "Alles nur, um uns davon abzulenken, dass da haufenweise Gräten drin sind."

Theater ist Illusion. Es gaukelt uns was vor. Ein Aufeinandertreffen von Menschen, das da und dort, zu dieser und jener Zeit geschehen soll, aber eigentlich direkt vor unseren Augen auf einer nur wenige Quadratmeter großen Bühne passiert. Die Inszenierung von Kabale und Liebe durch das Theaterlabor Darmstadt (Regie: Max Augenfeld) im Theater Mollerhaus tranchiert gewissermaßen den saftigen Theaterfisch, den uns Schiller aufgetischt hat. Anstatt die Illusion eines intakten Fisches zu geben, zerlegen sie ihn und zeigen gleich seine Gräten.


Das fängt schon damit an, dass nur zwei Schauspieler (Nadja Soukup, Marcel Schüler) mitwirken, die in die Rollen von nicht weniger als acht Charakteren schlüpfen - in fliegendem Wechsel, den Rollentausch direkt vor den Augen der Zuschauer vollführend. Insbesondere das Bühnenbild (Eike-Birte Schräder) verstärkt den Eindruck, dass es darum geht, das Skelett, den unter dem Fleisch der Illusion wirkenden Mechanismus, offenzulegen: nichts anderes als ein Geflecht aus unzähligen Schnüren; ein Wirrwarr, das zugleich einer Ordnung gehorcht, vergleichbar eines Oberleitungsnetzes über einem großstädtischen Bahnhof. Von diesen Schnüren baumeln - wie in einer Garderobe oder einem begehbaren Kleiderschrank - Kostüme herab, in die die Schauspieler bloß zu schlüpfen brauchen, um Haussekretär Wurm oder Lady Milford zu sein. Es ist, als hingen die Rollen bereits im Raum und müssten nur noch ausgefüllt werden. Zauber und Illusionsbruch in einem.

Mit reduzierten Mitteln generiert das Theaterlabor ein eher leises Kammerspiel denn eine saftige Tragödie. Es kratzt quasi die Farbe vom Schiller'schen Ölgemälde ab und holt die zugrunde liegende Schwarz-Weiß-Vorskizze ans Licht. Das Gespinst aus Intrigen und Verschwörungen - die Kabale - legt die vor allem an Schulklassen adressierte Aufführung in seinem Wirkungsmechanismus offen. Doch auch die Liebe bleibt in dem strengen Korsett, das die Akteure umgibt, nicht auf der Strecke. Was nicht zuletzt den Schauspielern zu verdanken ist, deren Leistung besonders darin überzeugt, schnell von einem Charakter zum anderen zu springen, samt Stimmwechsel.

Theater Mollerhaus, Sandstr. 10 in Darmstadt: 17., 21., 22., 23. November, 11 Uhr, 17. November auch 20.30 Uhr. Karten-Tel. 06151/ 6677998. www.theatermollerhaus.de


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