Qualitätsprüfung bei den freien Theatern

Frankfurter Rundschau 25.03.2009

Freie Kulturszene

Qualitätsprüfung bei den freien Theatern
VON ASTRID LUDWIG


Martin Apelt hat keinen leichten Job. Der Schauspieldirektor des Staatstheaters Darmstadt sitzt in der neuen Jury, die auswählen soll, welche Konzepte und Projekte der freien Kulturszene künftig von der Stadt unterstützt werden. Ein Spagat zwischen Subjektivität, der Suche nach Konsens mit den übrigen Jury-Kollegen und einer gerechten Verteilung nicht gerade üppiger Mittel. "Das bedeutet viel Arbeit und Verantwortung", weiß Apelt.
Nach jahrelanger Diskussion um Höhe und Art der Förderung der freien Theater- und Kulturszene hat die Stadt neue Richtlinien erlassen, die seit Januar gelten. Ende vergangener Woche hat eine Jury ihre Arbeit aufgenommen. Die Evaluation, die Qualitätsprüfung der freien Szene hat begonnen.
In der Jury sitzen Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD), Martin Apelt vom Staatstheater, Jan Deck vom Landesverband Professionelles Freies Theater, der Intendant des Theaterhauses Frankfurt, Gordon Vajen, und Albrecht Zetzsche, Theaterreferent der Landesregierung.

Die Experten sollen bis Juni prüfen, anschauen und beurteilen, wer Geld aus dem Fördertopf erhält. 236 810 Euro stehen im Etat. 38 Anträge liegen beim Kulturamt vor. Eins ist Apelt schon nach der ersten Jury-Sitzung klar: "Es sind mehr Anträge als Mittel zur Verfügung stehen".

Das ist nicht neu. Mehr Geld, wie seit langem gefordert, gibt es nicht für die Freien, aber für die Verteilung sollen andere Maßstäbe gelten. Inhalt und Qualität sollen den Ausschlag geben, umreißt OB Hoffmann "das ehrgeizige Verfahren". Er lobt die Arbeit der Szene als lebendige und bildungspolitische Bereicherung für die Stadt - gerade in der Kinder- und Jugendarbeit.

Der Professionalisierung der Gruppen wolle die Stadt Rechnung tragen. Neu ist die Unterscheidung in Projekt-Förderung und konzeptionelle Unterstützung, die auch Personalkosten, Gagen oder Regiearbeit umfasst und drei Jahre gewährt wird. Das gebe den Trägern mehr Sicherheit. "Sie hecheln nicht mehr von Jahr zu Jahr", so der OB. 12 der 38 Anträge zielen auf Konzept-Förderung.

Thomas Best vom "Verein Freie Szene", findet es richtig, "dass wir uns messen und unsere Qualität beurteilen lassen". 27 Gruppen gehören dem Verein an. Best war an den Vorbereitungen für die Evaluation beteiligt. Die neuen Richtlinien eröffnen seiner Ansicht nach "Entwicklungsmöglichkeiten".

Es gehe nicht nach dem Prinzip, wer einmal dabei sei, werde bis zum Sankt Nimmerleinstag gefördert. "Die gesamte Szene steht auf dem Prüfstand", so Best. Er hofft jedoch, dass die kleinen Gruppen nicht rausfallen und es eine Umverteilung zugunsten renommierter Großer gibt. "Das würde zu Lasten der Vielfalt gehen", warnt er. Erneut fordert er mehr Geld: "50 000 Euro wären gut".

OB Hoffmann will das Ergebnis der Jury abwarten. Juror Apelt geht davon aus, dass Angebote der Kinder- und Jugendarbeit "wohlwollend" beurteilt werden. Hier fülle die freie Szene eine Nische, die das etablierte Theater bewusst offen gelassen habe. Thomas Best ist sicher: "Es wird bestimmt noch Diskussionen geben".


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