Puppentheater Kolibri

Auf der Bühne kräht das Schwein
Alles bringt sie selbst von Schule X zu Kindergarten Y und danach zu Bibliothek Z

DARMSTADT. In der kleinen Stoffpuppenwelt von Anne Weindorf kräht das Schwein, quiekt ein Huhn, sucht eine Katze im Hausboot nach Freunden. Mit ihrem bunten Plüschzoo, der auf selbst gebauten Bühnen singt, streitet und lacht, spielt sie sich seit über 20 Jahren in die Herzen kleiner Kinder.

Mit der rosa Sau, dem grünen Krokodil und dem pelzigen Murmeltier, das seinen Rücken ganz lang machen kann, erzählt sie Geschichten von Freundschaft und Toleranz.


Darunter ist beispielsweise die Geschichte von Schwein Albin und Huhn Lila, die, von ihresgleichen wegen ihres Andersseins gepiesackt, beieinander Zuflucht finden. Albin lernt, wie ein Schwein krähen kann, und Lila findet Gefallen am Quieken: Was fremd ist, muss eben nicht schlecht sein. „Ich transportiere im weitesten Sinn immer eine Botschaft“, sagt die Darmstädter Puppenspielerin dazu.

Anfang der achtziger Jahre gab Anne Weindorf ihren Beruf als Sozialpädagogin auf und folgte ihrer Leidenschaft fürs Puppentheater. Heute ist sie unter dem Namen Puppentheater Kolibri eine tourende Alleinunterhalterin, die man engagieren kann.

Licht, klappbare Bühne, Puppen und Beschallung – alles bringt sie selbst von Schule X zu Kindergarten Y und danach zu Bibliothek Z. Im Sommer hat sie Pause, im Winter Hochbetrieb. Immer drehen sich Anne Weindorfs Geschichten um Themen, die in ihr „etwas auslösen“ – mit Purzelbaum schlagender Munterkeit und eigens für jedes Stück komponierter Musik für ihre wandernde Bühne.

„Offene Spielweise“ nennt man ihre Art des Puppentheaters, bei der die Zuschauer sehen können, wie die Spielerin ihre flauschigen Stars dirigiert. Ein stationäres Theater hat und will sie nicht. Denn die Nähe zu den Kindern, die sie am liebsten bei der Bühne sieht, ist für ihre direkte Spielart wichtig: Sie baut die Reaktionen ihrer Zuschauer ins laufende Spiel ein. „Das reißt mich oft richtig mit“, sagt sie über die spontanen Dialoge mit den Kindern.

Die Stücke schreibt Anne Weindorf nicht selbst. Dafür durchforstet sie Kinderbücher, erfragt die Verlagsrechte, konstruiert die Grundidee für die Inszenierung, entwirft Charaktere und schnitzt, bemalt und näht die Puppen, konstruiert die Bühne selbst. Nach dem ersten Ideenschub schaltet sie eine Regisseurin ein, mit der sie das neue Stück entwickelt. Wie nebenher wächst dabei die Stofftiermannschaft.

Als sie 1979 zum ersten Mal ein italienisches Puppentheater im Stil der offenen Spielweise sah, war sie nach dem Studium an der Evangelischen Fachhochschule in Darmstadt im Anerkennungsjahr auf dem Jugendhof Dörnberg.

Anne Weindorf besuchte daraufhin einige Workshops und das Deutsche Institut für Puppenspiel in Bochum, tingelte schließlich mit Freunden und einer Handvoll Puppen auf der Suche nach neuen Anregungen durch Italien und Deutschland.

In dieser Zeit lernte sie auch Marianne Schoppan kennen, mit der sie in Folge als Puppentheater Knorzkopp 20 Jahre lang gemeinsam Stücke entwickelte und spielte. 2004 entschieden sich beide, jeweils allein weiterzumachen. Das brachte Anne Weindorf von Kassel an ihren Geburtsort Darmstadt zurück.

Im Mollerhaus wird sie im April ihre neue Inszenierung für Kinder ab vier Jahren vorführen: eine Geschichte nach einem Buch von Ingrid Uebe, in dem sich die Katze Tatze auf den Weg macht, um Freunde zu finden.


Anja Trieschmann
23.3.2005

Darmstädter Echo


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