Sekt oder Selters reloaded

Binsen 74

Lacher für die Revue der Erinnerungen
Theater: „Sekt oder Selters“ kehrt mit „Binsen 74“ auf die Darmstädter Bühne zurück – Jürgen Seelbach ist neu dabei

DARMSTADT. Warum sollte es Fernsehmoderatoren vorbehalten sein, mit mehr oder weniger wichtigen Promis mehr oder weniger wichtige Erinnerungen auszutauschen? Jede Clique verfügt schließlich über ihren Erinnerungsschatz, der immer wieder ausgegraben werden kann. Auch drei Freunde aus dem Dorf Binsen können auf solch spannende Jahre zurückblicken. Genau 33 Jahre ist es her, als sie sich zum letzten Mal gesehen haben, nun bringt der Zufall sie wieder zusammen.

„Binsen 74“ heißt das aktuelle Stück der Theatergruppe „Sekt oder Selters reloaded“, das sie am Samstag vor herzhaft lachenden Zuschauern in der Bessunger Knabenschule in Darmstadt aufführte. Dabei spiegelt der fiktive Inhalt die realen Entwicklungen wider, denn „Binsen 74“ ist das erste gemeinsame Theaterstück der Gruppe nach sieben Jahren Pause. Ein bunter und unterhaltsamer Nostalgie-Reigen ist dabei herausgekommen: Tanzeinlagen zu Musik von T-Rex, den Rolling Stones oder Aretha Franklin wechseln mit kurzen Szenen, die aufwühlende Jugendjahre noch einmal Revue passieren lassen. Da fallen Namen von Diskotheken wie „Flamingo“ oder „Move“, da tauchen verschwundene Generalschlüssel des Gymnasiums wieder auf, da schießen Erinnerungen an die skandalumwitterte Schülerzeitung empor.

Als Projektionsfläche der Erinnerungen dient Ingo (Jürgen Seelbach), der neu zu der Gruppe hinzustößt. Geschickt bekommt das Ensemble auf diese Weise den Bezug zur Konstellation bei „Sekt oder Selters reloaded“ hin, denn Seelbach ist auch in der Theatergruppe ein Neuzugang. Er ersetzt Thomas Best, der heute Vorsitzender der Freien Szene Darmstadt ist. Von der alten Mannschaft sind Ute Oetken, Gerd Sauer und Siggi Bordon-Ake dabei.

Für „Sekt oder Selters reloaded“ hingegen bedeutet das Spiel immer noch vor allen Dingen Spaß neben dem Beruf. Schon 1982 kam die Gruppe genau aus diesem Grund zusammen. Wie Gerd Sauer am Rande der Aufführung im Gespräch erzählt, „haben wir uns ziemlich kurios gefunden“. Nach und nach hatte man sich damals bei Theaterkursen kennen und mögen gelernt und die Gruppe „Sekt oder Selters“ ins Leben gerufen. Ute Oetken: „Das heißt ja so viel wie alles oder nichts. Das ist die Devise des Theaterspiels“.

Anfangs hat das Ensemble noch eine Mischung aus Clownstheater, Pantomime und Nummernrevue gezeigt. „Das war Comedy der Achtziger“, erinnert sich Ute Oetken. Im Laufe der Zeit arbeitete die Gruppe dann auch mit Regisseurinnen. Besonders die verstorbene Gisela Eitel, aber auch Ann Dargies, heute Leiterin des Theater Transit, haben die Gruppe geprägt. „Wir haben viel improvisiert, eher absurdes Theater gespielt“, so Oetken weiter. Das Ende kam dann im Jahr 2000. Thomas Best „wollte sich professionalisieren“, wie Ute Oetken es formuliert. „Da haben wir gedacht: Die Geschichte ist abgeschlossen, schön war’ s. Doch den Draht haben wir nie verloren.“

Die Lust am Theaterspielen sei wieder aufgeflammt. Durch Zufall habe man dann Jürgen Seelbach als vierten Mitspieler entdeckt, gemeinsam „Binsen 74“ geschrieben, dem Gruppennamen das „reloaded“ hinzugefügt und schließlich Utz Bender für die Regie gewinnen können. „Es ging uns um Erinnerungen, und wie sie von unterschiedlichen Gedächtnissen beschrieben werden“, fasst Oetken die Intention des Stücks zusammen. Ihren Blick richten „Sekt oder Selters reloaded“ nun aber nach vorne. Weitere Termine in der Region sind geplant, und am Heinerfest-Wochenende spielt die Gruppe im Darmstädter Theater Mollerhaus.

Darmstädter Eche vom 26.03.2007




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