Theater Rainer Bauer Theatercup

Theater Rainer Bauer 14. Mollerkoller

Schöne Welt des Scheins
Kleinkunst: Klamauk, Gesang und Erotik bis zum Nabel eines Bauchtänzers: Zum 14. Mal lädt Rainer Bauer zum Darmstädter „Mollerkoller“ ein und lässt dabei allerhand Revue passieren

DARMSTADT. Rainer Bauer begrüßte das Publikum im voll besetzten Mollerhaus auf einer Bühne mit leuchtend grünem Rollrasen und Rabatten farbenfroher Tulpen. Nur der Osterhase fehlte, um am milden Samstagabend des Dreikönigstags mit „Mollerkoller“ zum 14. Mal die Absurditäten der Welt bei den Löffeln zu packen.

Assistiert wurde Bauer von Aram Lufft, der in glanzvollen arabischen Gewändern neben der gerüschten Hemdbrust und dem konventionellen Anzug des Conferenciers schillernder Blickfang war. Er war es im Laufe des Abends umso mehr, als er in der Rolle des Aram Amir el Charrk orientalischen Bauchtanz bot, der märchenhafte Poesie und Erotik mit graziöser, vibrierender Bewegung paarte. Aram Lufft, der vor zwanzig Jahren als erster deutscher Mann den orientalischen Tanz zur Profession gemacht hat, führte mit Stolz die in Ägypten hoch geschätzte Kunst vor. Dabei löste er mit geheimnisvollem Blick aus raffiniert geschminkten Augen die wallenden Schleier und bannte das Publikum mit rhythmischem Muskelspiel um den strassbesetzten Nabel. Klasse war auch Reiner Bauer selbst mit den Partnern Eric Kolb und Alex Förster im szenischen Spiel nach Zuruf aus dem Publikum. Bauers Gäste aus der regionalen Kleinkunstszene präsentierten eine Mischung aus Klamauk, Gesang und Spielszenen, die Michael Bibo am Keyboard musikalisch begleitete. Er erwies sich als hervorragender Beobachter, der die Improvisationen in passende Töne übersetzte. Denn der Charme des Abends lag in den spontanen Momenten, witzigen Einschüben, Worten und Bewegungen.

Aus Frankfurt war das „Daphne-Zahn-Trio“ zu Gast, das mit Nostalgie und Ulk die schöne Welt des Scheins auf die Schippe nahm. In Flipflops mit Turmfrisur schlurfte Riki Breitschwerdt durch gesangliche Spielszenen des TV-Shoppings, Georg Keim und Philipp Höhler sekundierten routiniert bei der Persiflage der Langeweile aus dem Flimmerkasten. Alex Förster als Clown Mosar kam mit Trenchcoat, Hornbrille und Hut wie ein teddybäriger Tollpatsch daher. Mit Bällen jonglierte er behände von Mund zu Hand, von Hut zu Hosenbein, als geschähe alles im Schlaf. Dazu setzte Förster den Blick eines Kindes auf, dem die Sandkastenkastenhosen unversehens zu klein geworden waren. Das Trio „3 Frisöre“ brachte in pastellfarbenen Kittelchen homoerotisch angehauchten Gesang ums putzige Putzen und junges Gemüse zu Gehör. Amüsierter Applaus war den Künstlern sicher.

Zwischen den Auftritten lud Bauer ins Plaudereckchen, wo das obligatorische Mollerkoller-Sofa dieses Jahr plastikbunten Klappstühlen gewichen war. Lufft kredenzte bonbonfarbene Getränke, und man witzelte locker-flockig, bis die Sanduhr abgelaufen war.

Charlotte Martin
8.1.2007




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