Theater Transit

Wilde Herzen

Tanz den Erich Fried
Ausblick: Jugend-Sparte beim Darmstädter Theater Transit: Nicole Amsbeck plant Hip-Hop-Performance „Wilde Herzen“

DARMSTADT. „Jugendliche haben eine extrem hohe Energie, wenn sie denn freigesetzt wird“, sagt die Theaterpädagogin Nicole Amsbeck (35). „Man muss ihnen ein Forum geben, eine Plattform“. Das will Amsbeck in einer neuen Initiative des Darmstädter Theater Transit versuchen. „Wilde Herzen“ heißt das Projekt, das eine Performance zwischen Tanz und Theater für junge Menschen zwischen 15 und 24 werden soll.

Rund zwei Dutzend junge Leute haben bereits zugesagt, weitere Mitspieler sind willkommen, sollten aber erste Tanz- oder Theaterkenntnisse mitbringen, denn Amsbeck will ihr Projekt auf Hip-Hop und dem brasilianischen Kampftanz Capoeira aufbauen. Ein Rapper, ein DJ, eine Choreografin und eine Lichtdesignerin unterstützen sie bei der Inszenierung, die von Erich Frieds Gedicht „Durcheinander“ ausgeht. Darin heißt es: „Sich lieben und mit der Zeit einander töten, und doch sich lieben mit immer besseren Waffen.“ Es sind die gesellschaftlichen „Fesseln“, die Amsbeck interessieren: „Wie können Liebe, Leidenschaft und Kampf diese Fesseln verändern?“ – Nicht sprengen? – „Nein“, sagt Amsbeck, „das fände ich unrealistisch“. Ihr gehe es um „den kleinen Anstoß“, der Dinge verändert, sagt sie und schnippt dabei immer wieder mit dem Finger

Was sie in zehn Workshop-Tagen bearbeiten will, sind Fragen an die jungen Leute: „Was bewegt sie? Wo werden sie kämpferisch? Manche haben so viel Wut in sich. Wie macht man das transparent?“

Mit Nicole Amsbeck, die von 2001 bis 2005 im Fachbereich Theaterpädagogik der Fachhochschule Osnabrück unter anderem bei Ann Dargies von Theater Transit studiert hat, entwickelt die freie Gruppe eine neue Jugendsparte. Damit rückt Theater Transit nach 18 Jahren in der Darmstädter Kulturszene auf ein Feld, auf dem bereits Gruppen wie Max Augenfelds Theaterlabor, Hanno Heners Theaterquarantäne, aber auch das Staatstheater mit seinem Jugendclub Angebote machen. Für eine Konkurrenz hält Amsbeck, die als Regieassistentin an den Städtischen Bühnen Münster auch den Jugendclub leitete, die neue Transit-Initiative nicht: „Die Angebote sind so unterschiedlich. Die Jugendlichen suchen sich, was sie tun wollen.“

Amsbeck selbst versucht, zur Vernetzung der Jugendtheaterszene beizutragen. So gehört sie auch zu jenem Team um den Choreografen Patrick Erni und die Regisseurin Inga Pickel, das nach den „Hiketiden“ aus dem Jahr 2006 für 2008 eine große Inszenierung der „Atriden“ nach dem griechischen Mythos plant. Derartige Kooperationen zwischen Gruppen und Institutionen hat Nicole Amsbeck in Münster bereits mit Sporthochschule, Stadttheater und Vereinen erprobt. „So würde ich auch hier gerne wieder arbeiten.

Vom 10. bis 19. August soll die Performance „Wilde Herzen“ entstehen. Jugendliche mit ersten Erfahrungen in Tanz und Theater können sich bis zum Beginn der Proben noch melden per E-Mail unter: WildeHerzen@theatertransit.de oder per Telefon: 0176 61066374. Aufführungen sind am 25. und 26. August im Darmstädter Theater Moller-Haus und am 9. September (Sonntag) bei den Wacker-Theatertagen geplant.

sb
18.7.2007




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