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GESTERN WAR HEUTE NOCH MORGEN
 



Junges Theaterlabor Darmstadt

Darmstädter Echo, 8.6.2009

DARMSTADT. Die Jugend hat auch schon mal besser geträumt. Was diese Generation im Schlaf umtreibt, will die freie Gruppe Theaterlabor in ihrer neuen Performance mit Jugendlichen erkunden. „Gestern war heute noch morgen“ heißt die halbstündige Performance, die am Freitag in der Darmstädter Fußgängerzone an einer schmalen Karstadt-Treppe Premiere hatte. Was als „Stück Alltag mit Träumen von Jugendlichen dieser Welt“ angekündigt ist, entpuppt sich als szenischer Albtraum.

Beim Bewerbungsgespräch wischt der Personalchef zunächst nur das Zeugnis vom Tisch, später wird er die Pistole zücken und dem Bewerber gleich das Herz rausreißen. „Kein Job, kein Geld, keine Familie“, klagt der Arbeitslose, während die Gruppe Werbung parodiert: „Clever einkaufen mit Hartz 4“. Nicht wie einst Krieg oder Umweltzerstörung prägen die Zukunftsangst, sondern die Furcht vor dem Abstieg. Wer Durchschnitt ist, der könnte schon keine Chance mehr haben: „Ab in den Pappsarg, hundert Prozent abbaubar, wie ich bin.“ Selbst der Klassenbeste wird am Ende hinter Pappkisten, die den Konsum markieren, eingemauert.

Was tun? Straßenkampf bis zur Erschöpfung? Oder „Germany’s next Topmodel“ werden? Die zehn Darsteller des Jungen Theaterlabors deuten in der losen Szenenfolge das alles an, grundieren ihren Pessimismus mit bösem Witz. Regisseurin Nadja Soukup und Theaterpädagoge Kai Schuber haben die Auftritte choreografiert, Mut gemacht auch zum Singen.

So gerät die Premiere bisweilen marktschreierisch laut und schräg. Dabei behaupten sich die Jugendlichen gegen Radfahrer, Autos, wuselnde Passanten, ziehen dauerhaft über hundert Zuschauer in ihren Bann mit einem Straßentheater, das Inspiration tankt bei Agitprop-Aktionen. Wer sich so unverzagt bemerkbar machen kann, muss sich nicht vor seinen Albträumen nicht fürchten. sb

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