Die Freie Szene Darmstadt e.V. unterstützt die Darmstädter Erklärung der Vielen

Darmstädter Erklärung der Vielen // März 2019


www.dievielen.de

Wir leben in einer pluralen Gesellschaft. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich in Zwischenräumen. Demokratie muss somit täglich neu verhandelt werden – immer unter einer Voraussetzung: Es geht um das Wohl aller, um jede*n Einzelne*n in einer Gesellschaft der vielen Möglichkeiten.

In Darmstadt kreuzen sich die Wege von Menschen aus über 140 Nationen. Von der Migration hat die Stadt in ihrer Geschichte stets profitiert. Sie bedeutet Vielfalt, Diversität und erfordert produktive Auseinandersetzung und Toleranz als Fundament unserer Gesellschaft. Die zunehmende internationale Vernetzung ist Belebung und Bereicherung für jede Kultur. Der Blick in andere Länder, in denen die Rechte nicht nur von Kulturschaffenden zunehmend eingeschränkt oder unterbunden werden, zeigt das Ausmaß der Bedrohung des freien und kritischen Diskurses. Der Blick aufs eigene Land macht deutlich, dass dieser auch hierzulande verteidigt werden muss.

Nach dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, dem Zivilisationsbruch durch den Nationalsozialismus, wissen wir um die Gefahren von antidemokratischen Strukturen und nationalistisch-rassistischem Gedankengut. Darmstadt wurde schnell zu einer Hochburg des Nationalsozialismus und seiner menschenfeindlichen Ideologie. Heute leben wir in Deutschland in einer demokratischen Gesellschaft miteinander. Diesen liberalen Geist gilt es zu bewahren und weiter zu entwickeln: Die Würde des Menschen ist unantastbar. In diesem Sinne stehen wir als Aktive der Kulturlandschaft nicht über den Dingen, sondern begreifen die Kunst und ihre Einrichtungen, die Museen, Theater, Ateliers, Clubs, die urbanen und ländlichen Orte der Kultur als offene Räume von Vielen für Viele.

Demokratische und künstlerische Freiheit ist nicht ohne Widersprüche und ist niemals einfach. Aber wir verteidigen sie gegen alles, was sie bedroht: völkisch-nationalistische, fundamentalistische, populistische oder autoritäre Weltbilder. Wir verteidigen sie gegen Geschichtsverfälschung, Stimmungsmache, Ausgrenzung und Abwertung anderer Menschen, wie z. B. jede Form von Rassismus, Homo- und Transphobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Islamophobie und geben solchen Positionen keinen Raum. Im Interesse des Gemeinwesens verpflichten wir uns zur Solidarität mit Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Solidarität statt Privilegien und Ausgrenzung. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!

Die Freiheit der Kunst, Kultur und Wissenschaft duldet keine Eingriffe, sie schafft einen Raum zur Veränderung der Welt. Zu dieser Veränderung wollen wir dadurch einen Beitrag leisten, dass die Angebote in unserer Stadt allen Menschen offen stehen und die Strukturen gleiche Chancen und Teilhabe an Diskussionen und Entscheidungen auf vier Handlungsebenen ermöglichen.

  • Die Darmstädter Erklärung versteht sich als Teil der bundesweiten Aktion „Die Vielen“. Diese organisiert sich über regionale Zusammenschlüsse mit lokalem Charakter, die jeweils eigene Erklärungen bundesweit verbreiten. Alle Unterzeichnenden der Darmstädter Erklärung sind Einrichtungen der Kunst und Kultur aus Darmstadt und Umgebung sowie freie Kunst- und Kulturschaffende, ihre Interessenvertretungen oder Verbände. Die Liste ist offen, ihre Unterzeichnung hat den Charakter einer Selbstverpflichtung.
  • Die Unterzeichnenden wenden sich im Sinne der Erklärung mit einer gemeinsamen Haltung an die Öffentlichkeit und orientieren sich in ihrer Arbeit an deren Prinzipien. Die Bekanntgabe in der Öffentlichkeit und innerhalb der eigenen Organisation kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, z. B. auf Internetseiten, in Programmheften, als Aushang in Foyers oder in einer anderen geeigneten Form.
  • Sie verpflichten sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden, mit Wissenschaftsinstitutionen und Wissenschaftler*innen, die durch Hetze und Eingriffe in die Freiheit der Kunst, Kultur und Wissenschaft unter Druck geraten. In einem regelmäßigen Austausch stellen sie sich und ihre Arbeit der gegenseitigen Kritik und Diskussion.
  • Ihre Veranstaltungen und Aktivitäten können die Unterzeichnenden als Teil der bundesweiten Aktion sichtbar machen sowie auf der Homepage www.dievielen.de. Umgekehrt können sich die Unterzeichnenden an bundesweiten Aktivitäten und Kampagnen beteiligen.

Selbstverpflichtung

Als Unterzeichner*innen sind ausschließlich Kultureinrichtungen, Kunstinstitutionen, Theater, Museen und ihre Interessenvertretungen oder Verbände angefragt.

  1. Mit der Unterzeichnung erklären sich die Leitungspersonen oder das Leitungsteam bereit, den Text der Erklärung innerhalb der eigenen Organisation unter Mitarbeiter*innen, Ensemblemitgliedern, Kurator*innen, Publikum und Besucher*innen bekannt zu machen und zur Diskussion zu stellen.
  2. Die Erklärung wird auf der Internetseite, im Programmheft, als Aushang im Foyer uvm. veröffentlicht.
  3. Die unterzeichnenden Kultureinrichtungen werden auf der Homepage www.dievielen.de sichtbar gemacht. Eine Verlinkung ist gewünscht.
  4. Die golden-glitzernde Rettungsdecke, das Symbol der Vielen, soll je nach Corporate Design der Einrichtung Anwendung im Zusammenhang mit der Erklärung finden – ob als Fahne, Layout-Hintergrund, als Icon oder golden-glänzend hinterlegte Schrift (Tool-Kit wird bereitgestellt).
  5. Die Unterzeichnenden bereiten Informationsveranstaltungen, Gespräche und Aktivitäten im Sinne der vier Handlungsebenen der Erklärung vor, die Termine werden gemeinsam über www.dievielen.de kommuniziert.
  6. Im Rahmen der eigenen Pressearbeit und einer zentralen Pressekonferenz werden die Erklärung und die Kampagne mit Stichtag zum 9. November veröffentlicht. Aktionen zum Kampagnenstart wie das Hissen der goldenen Rettungsdecken an den Kulturorten, erste Informationsveranstaltungen, Lesungen uvm. werden selbstständig realisiert und gemeinsam koordiniert.
  7. Die Kampagne zur Erklärung der Vielen hat einen regionalen Charakter und wird über regionale Zusammenschlüsse von Kultureinrichtungen als „Hamburger, Kölner, Dresdener uvm. Erklärung der Vielen“ bundesweit verbreitet.
  8. Neben den unterzeichnenden Kultureinrichtungen können ab dem Tag der Erstveröffentlichung in einer Region (Berlin zum 9. November 2018) auch Einzelpersonen und Künstler*innengruppen ihre Zustimmung als Unterstützende per Mail an unterstuetzung@dievielen.de erklären. (Kultureinrichtungen können sich als Unterzeichnende natürlich auch noch nach dem 9. November mit der Erklärung verbinden unter erklaerung@dievielen.de.)
  9. Die unterzeichnenden Einrichtungen beteiligen sich aktiv an einer bundesweiten Kampagne mit Aktionstagen, Dialogforen und der Mobilisierung zu einer „Glänzenden Demonstration der Kunst und Kultur – Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!“ in Berlin zum Mai 2019 (voraussichtlich Samstag, den 18. Mai 2019)
  10. Die Unterzeichnenden verpflichten sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultureinrichtungen und Akteur*innen der Künste, die durch Hetze und Schmähungen unter Druck gesetzt werden.