Amerika / Kafkas Briefe

Kafka in a suitcase

Teil I – Amerika

Der junge Karl Roßmann wird von seinen Eltern in die weite Welt geschickt. Mit einem Koffer voll gemischter Gefühle und Erinnerungen gelangt er mit dem Schiff nach Amerika. Seine Reise führt ihn durch die Straßen New Yorks, ins Hotel Occidental, in eine schäbige Wohnung und an viele Orte mehr. Dabei begegnet er allerhand kuriosen Gestalten, darunter seinem wohlhabenden Onkel, zwei zwielichtigen Landstreichern oder der resoluten Oberköchin. Karl nimmt die unterschiedlichsten Tätigkeiten auf – bis ihn seine scheinbar endlose Reise weiter bis in die schillernde Welt des Theaters führt.

Franz Kafkas Romanfragment „Der Verschollene (Amerika)“ erzählt die Geschichte von Karl Roßmann, doch entgegen der Vermutung, dass Karl sich nach der Erfüllung seines amerikanischen Traums sehnt, scheint dieser eher ziellos seinen Halt in der neuen Welt zu suchen und stolpert anfangs eher in sein Schicksal hinein, bevor er beginnt, es selbst in die Hand zu nehmen. Angelehnt an Heppenheimers Adaption des Romanfragments als Schauspielsolo von 2022 entsteht nun eine Bearbeitung, in der Mensch und Puppe – Romanfigur und Autor – aufeinandertreffen. Mit der Originalstimme und allerlei Originalausstattung aus der Inszenierung Heppenheimers entsteht ein neues Zusammenspiel, indem sich Karls Reise durch Kafkas imaginiertes Amerika als eine musikalische, poetische und emotionsreiche Odyssee entfaltet. Geprägt von Höhen und Tiefen, gefangen zwischen Fremd- und Selbstbestimmung, aber immer wieder vom Zufall oder Schicksal gerettet, wird diese Reise zu einer eindringlichen Auseinandersetzung mit dem universellen Thema der unermüdlichen Suche nach einem erfüllten Leben.

Teil II – Kafkas Briefe

Franz Kafka war ein Meister der Distanz – und doch suchte er in seinem Briefverkehr eine Nähe, die er im Alltag kaum ertragen konnte. Kaum bekannt, sind diese zahlreichen Briefe doch ein wichtiger und großer Bestandteil in Franz Kafkas gesamtliterarischem Werk. Und so widmen wir uns in „Kafkas Briefe“ erstmals auch seiner biografischen Literatur und lassen Teile seiner beachtlichen Briefsammlung mit all ihren papiergewordenen Emotionen zum Leben erwachen.

Wir blicken hinter die Fassade des getriebenen Autors und beleuchten die tiefen Risse in seinem Leben: Das schmerzhafte Ringen um Anerkennung im berühmten Vaterbrief wird zum physischen Kampf gegen überlebensgroße Projektionen. Das Hoffen und Bangen um Felice Bauer und Milena Jesenská – ein Tanz zwischen Sehnsucht und Fluchtreflex. Aber auch das vertraute Netz im Briefwechsel mit seiner Schwester Ottla und dem Rest der Familie, die ihm Schutzraum und Gefängnis zugleich war. Kafkas Briefe werden zum Zeugnis eines Menschen, der sich zeitlebens in seinen Briefen selbst erfand, verlor und schließlich – auf der Theaterbühne – wieder zu einem neu entstehenden Ganzen wird.

Freuen Sie sich auf einen Abend über die Unmöglichkeit des Schweigens und die Sehnsucht, gelesen zu werden.

ca. 80 Min. plus Pause, ab 6 Jahre
Preise: VVK 13,30/9,50 (erm.) inkl. Gebühren, Abendkasse 14/10 Euro, Unterstützer:innenkarte VVK 18,05 inkl. Gebühren, Abendkasse 19 Euro

Termine

So. 17.05. 18:00 Uhr